
Projektbericht · Flugzeugpark
Ein Holzflugzeug von 1974 zurück in die Luft gebracht.
Die Sie 3 ist eines der letzten noch komplett aus Holz gebauten Flugzeuge, das auf den Markt kam. Obwohl es von der Flugleistung sicherlich eines der besten Holzflugzeuge ist, wurden nur 27 Exemplare gebaut — wenige davon fliegen noch.
Eines der Exemplare hatte ein älteres Vereinsmitglied von uns in den frühen 2000ern frisch grundüberholt gekauft und war damit noch einige Jahre geflogen. Seit 2011 jedoch hat er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geflogen, konnte sich aber nicht von seinem Flugzeug trennen. So verbrachte die Sie 3 schließlich über neun Jahre in ihrem Anhänger — einem sehr guten Anhänger: Klappdeckel, GFK-Sandwich, komplett wasserdicht. Ursprünglich wollten wir nur diesen Anhänger für unseren Astir haben. Wir konnten den Besitzer überzeugen, ihn uns günstig zu verkaufen — den Inhalt, die Sie 3, gab es quasi mit dazu. Es war ja kaum zu erwarten, dass sie nach so langer Standzeit noch einmal fliegen würde …
Wir bekamen den Schlüssel, öffneten den Anhänger und fanden tatsächlich unter einer dicken Staubschicht etwas, was noch aussah wie ein Flugzeug!
So entstand die Idee, getrieben von unserer Jugendgruppe, dieses Flugzeug wieder in die Luft zu bringen. Projekt „Sie 3“ war geboren! Es war klar, dass die Werkstatt im Winter belegt ist und ab Frühjahr an den Wochenenden geflogen wird. So wurde der Montagabend zum Projektabend auserkoren — dieser Abend hat sich bis heute erhalten.
Im April 2022 ging es dann richtig los. Zunächst haben wir gemeinsam mit unserem Prüfer den Zustand des Flugzeugs genau untersucht. War etwa das Holz geschädigt? Oder die zahlreichen Verleimungen? Oder gar Pilzbefall? Gab es Rost an den Metallbeschlägen? Also alles gereinigt, mit der Endoskop-Kamera jeden Winkel des Inneren durchleuchtet und untersucht.
Der Zustand war erstaunlich gut! Sämtliche Holzteile waren super konserviert, die Verleimungen offensichtlich mit Aerodux ausgeführt — einem sehr guten Leim, der recht unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit ist. Auf den Rippen des Flügels konnten wir noch den Stempel des Bauprüfers erkennen, den er 1974 dort aufgebracht hatte.
Letzte Gewissheit brachten die Tests nach dem Aufrüsten in unserer Werkstatt. Dort führten wir Belastungstests am Flügel durch und ermittelten die sogenannte „Flügelbiegeschwingungszahl“. Diese stellt die Eigenfrequenz des Flügels dar und wird schon beim Bau des Flugzeugs ermittelt und dokumentiert. Nimmt sie ab, hat der Flügel an Steifigkeit verloren — ein Zeichen für eine Schädigung. Bei unserer Sie 3 war alles in Ordnung; unser Prüfer bescheinigte eine „gute Substanz“.
Also konnte die Arbeit losgehen: Der Lack der Flügel und vor allem des Rumpfhecks hatte stark gelitten — Abschleifen bis aufs Holz war angesagt! Nach der Entfernung aller losen Lackschichten kam nochmals unser Prüfer; schließlich wollte er kontrollieren, ob wir zu tief, bis ins Holz, geschliffen hatten. Es war aber alles in Ordnung. Als Nächstes stand das Abkleben fürs Füller-Spritzen an — der Füller darf nur auf das Holz, nicht auf die mit Stoff bespannten Hinterseiten der Flügel.
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